Selbstständig starten13. September 2026, 9 Minuten Lesezeit

Die erste Website als Selbstständiger: Fahrplan von der Domain bis zur ersten Anfrage

Was in welcher Reihenfolge passieren muss, damit deine erste Website Anfragen bringt. Mit Zeitplan, Kosten und den Schritten, die fast alle vergessen.

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Die meisten ersten Websites scheitern nicht am Design. Sie scheitern daran, dass niemand vorher festgelegt hat, was passieren soll, wenn jemand darauf landet. Die Seite ist schön, sie ist online, und dann ist Ruhe.

Dieser Artikel ist der Fahrplan, den ich mit Betrieben durchgehe, die zum ersten Mal eine Website brauchen. Acht Schritte, in der Reihenfolge, in der sie wirklich kommen, mit realistischen Zeiten und dem, was jeder Schritt kostet.

Schritt 1: Entscheide, was die Website leisten soll

Bevor du an Farben denkst, brauchst du einen Satz: was soll ein Besucher tun, der auf deiner Seite landet? Anrufen, ein Formular ausfüllen, einen Termin buchen, ein Angebot anfordern. Genau eine Hauptaktion, alles andere ist Nebengleis.

Das klingt banal, entscheidet aber über den ganzen Rest. Eine Seite, deren Ziel "Termin buchen" ist, sieht anders aus als eine, deren Ziel "Vertrauen aufbauen für ein teures Erstgespräch" ist. Bei der einen steht der Kalender oben, bei der anderen die Referenz.

Schreib dir außerdem auf, wer der typische Besucher ist. Nicht als Marketing-Übung, sondern als Alltagsbeschreibung: Bei einem Pflegedienst fragt meistens nicht der Betroffene an, sondern die Tochter, abends, nachdem sie den ganzen Tag telefoniert hat. Bei einer Heizung fragt der Besitzer an, wenn es kalt ist, freitags um 19 Uhr. Diese zwei Sätze bestimmen, wie kurz dein Formular sein muss und was auf der Startseite ganz oben steht.

Zeit: eine Stunde. Kosten: keine.

Schritt 2: Name, Domain und E-Mail

Die Domain darf langweilig sein, sie muss am Telefon buchstabierbar sein. Wenn du deinen Firmennamen dreimal wiederholen musst, bevor der Kunde ihn tippen kann, ist er falsch.

Drei brauchbare Muster:

  • Firmenname, wenn er kurz und eindeutig ist
  • Firmenname plus Leistung, wenn der Name allein nichts sagt
  • Leistung plus Ort, wenn du noch gar keinen Namen hast und regional arbeitest

Prüfe vor dem Kauf, ob der Name markenrechtlich frei ist. Eine Recherche im Register des Deutschen Patent- und Markenamts kostet nichts und erspart im schlechten Fall eine Abmahnung samt neuem Briefpapier. Bindestriche in der Domain sind kein Ranking-Nachteil, sie sind nur unpraktisch beim Diktieren.

Was danach oft vergessen wird: die E-Mail-Adresse. Eine Anfrage, die von einer gmx-Adresse beantwortet wird, wirkt bei einem Angebot über 8.000 Euro nicht wie ein Betrieb, sondern wie ein Hobby. Mit der Domain kommt die eigene Adresse fast immer mit, oft ohne Zusatzkosten.

Zeit: ein bis zwei Stunden. Kosten: Domain etwa 10 bis 20 Euro im Jahr, Postfach je nach Anbieter 0 bis 6 Euro im Monat.

Schritt 3: Inhalte sammeln, bevor gebaut wird

Das ist der Schritt, an dem die meisten Projekte hängen bleiben. Nicht weil er schwer ist, sondern weil er unangenehm ist: du musst aufschreiben, was du tust und warum jemand dich beauftragen soll.

Was du brauchst:

  • Drei bis fünf Leistungen, je in zwei bis drei Sätzen, in der Sprache deiner Kunden und nicht in der deiner Branche
  • Einen Absatz über dich, mit Gesicht. Wer bei einem Ein-Personen-Betrieb kauft, kauft die Person mit
  • Fotos: du selbst, deine Arbeit, dein Werkzeug oder deine Räume. Handyfotos bei Tageslicht sind besser als Bilddatenbank-Motive, weil man sofort sieht, dass es echt ist
  • Zwei bis drei erste Referenzen oder, wenn du frisch startest, eine ehrliche Alternative: der Ablauf, den ein Kunde erwarten kann, und was passiert, wenn etwas nicht klappt

Wenn du bei den Texten nicht vorankommst: schreib sie nicht, sprich sie. Nimm dein Handy, erklär einem gedachten Kunden am Küchentisch in fünf Minuten, was du machst, und lass das transkribieren. Diese Fassung ist fast immer besser als die geschriebene, weil sie klingt wie du.

Zeit: der ehrliche Engpass, rechne mit einer bis zwei Wochen nebenher. Kosten: keine, wenn du selbst schreibst. Texte schreiben lassen kostet bei mir 990 Euro.

Schritt 4: Technik wählen, aber nicht zur Glaubensfrage machen

Es gibt drei realistische Wege, und alle drei sind für den Start legitim:

Weg Passt, wenn Kosten Start Kosten laufend
Baukasten selbst gebaut Budget nahe null, du hast Zeit und Geduld, eine Seite reicht 0 Euro plus deine Stunden etwa 10 bis 30 Euro im Monat
Baukasten oder Framer, aufgesetzt von einem Dienstleister es soll schnell gehen und nachher trotzdem ordentlich aussehen vierstellig, unteres Ende Abo plus Betreuung
Eigene Seite, etwa mit Next.js oder WordPress plus CMS die Seite soll wachsen, Anfragen sollen ins CRM laufen, Ladezeit und Barrierefreiheit zählen ab 2.480 Euro ab 89 Euro im Monat für Betrieb und Pflege

Der Punkt, auf den es ankommt, ist nicht das Werkzeug, sondern die Frage: kommst du später wieder heraus? Lass dir vorher zeigen, ob du deine Inhalte und deine Kundendaten exportieren kannst. Eine Website, aus der du nicht herauskommst, ist eine Miete auf Lebenszeit.

Meine eigene Regel: wenn du schon mit WordPress arbeitest, baue ich darin weiter. Wenn du frei bist, baue ich eine eigene Seite mit einem CMS, in dem du Texte und Bilder selbst pflegst. Welches Werkzeug es wird, entscheidet dein Betrieb, nicht mein Lieblingswerkzeug.

Schritt 5: Die Pflichten mitdenken, nicht nachrüsten

Vier Dinge sind keine Option, sondern Voraussetzung. Sie gehören in den Bau und nicht in eine Nacharbeit drei Monate später.

  1. Impressum nach Paragraf 5 Digitale-Dienste-Gesetz, mit Name, Anschrift, Kontaktweg, gegebenenfalls Registereintrag und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Auch für Kleingewerbe, auch auf deinen Social-Media-Profilen.
  2. Datenschutzerklärung, die wirklich beschreibt, was deine Seite tut. Abgeschrieben von einer fremden Seite ist sie falsch, weil dort andere Werkzeuge laufen.
  3. Kontaktformular nur mit verschlüsselter Übertragung, mit Hinweis auf die Datenschutzerklärung, ohne überflüssige Pflichtfelder und mit einer Löschfrist, die du auch einhältst.
  4. Cookie-Einwilligung, wenn du Werkzeuge einsetzt, die nicht technisch notwendig sind, also etwa Statistik oder eingebettete Karten. Wenn du darauf verzichtest, brauchst du kein Banner, und das ist oft die bessere Wahl für eine erste Seite.

Dazu kommt die Barrierefreiheit. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025. Für Dienstleistungen gibt es eine Ausnahme für Kleinstunternehmen, die gleichzeitig weniger als zehn Beschäftigte und maximal zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme haben. Verlass dich nicht darauf: die Ausnahme fällt weg, wenn du wächst, und sie gilt nicht für alles. Unabhängig von der Pflicht gilt: Kontraste, Tastaturbedienung und lesbare Schriftgrößen helfen auch deiner 68-jährigen Kundin, die dein Formular auf dem Handy ausfüllt. Ich baue nach WCAG 2.1 AA und prüfe mit axe-core, das ist Standard und kein Aufpreis.

Rechtliche Einordnung im Einzelfall ist keine Leistung, die ich erbringe. Ich sage dir, was technisch umgesetzt werden muss, und wo du besser fragst.

Schritt 6: Den Weg nach dem Formular bauen

Hier trennt sich die Website, die Anfragen bringt, von der Website, die nur vorhanden ist. Der klassische Fehler: das Formular schickt eine Mail an dein Postfach. Du bist auf der Baustelle oder beim Kunden, siehst sie abends, antwortest am nächsten Tag. Bis dahin hat der Interessent zwei andere Betriebe angefragt.

Eine Untersuchung von Harvard Business Review an 2.241 Unternehmen hat gezeigt, wie groß dieser Abstand üblicherweise ist: 42 Stunden durchschnittliche Antwortzeit, 23 Prozent antworteten überhaupt nie. Wer innerhalb einer Stunde antwortete, hatte die deutlich höhere Chance, den Kontakt zu qualifizieren. Die Zahlen stammen aus dem US-B2B-Umfeld, die Alltagslogik kennt jeder Handwerker trotzdem.

Was stattdessen beim Start eingerichtet wird:

  • Jede Anfrage landet als Kontakt an einer Stelle, mit Quelle und Zeitstempel, nicht als Mail im Posteingang
  • Der Absender bekommt sofort eine Bestätigung mit einem echten nächsten Schritt, am besten einem Terminvorschlag aus deinem Kalender
  • Bleibt es still, erinnert das System, nicht dein Gedächtnis
  • Du siehst nach vier Wochen, wie viele Anfragen aus welchem Kanal kamen

Für einen Ein-Personen-Betrieb geht das mit kostenlosen Werkzeugen los. Ein CRM wie HubSpot ist im Einstieg kostenfrei, Terminbuchung mit Cal.com ebenfalls. Die Arbeit ist nicht das Abo, sondern die Einrichtung: dass Formular, CRM, Kalender und Bestätigung wirklich zusammenhängen. Bei mir kostet dieses Setup ab 1.490 Euro, ab dem Paket Business steckt es im Preis.

Schritt 7: Livegang, und zwar mit Messung

Vor dem Umschalten eine kurze Liste, die dir zwei Wochen Ärger erspart:

  • Formular einmal selbst absenden, von einem fremden Handy, und prüfen, ob Bestätigung und Eintrag im CRM ankommen
  • Prüfen, dass die Seite nicht auf noindex steht, sonst sperrst du Google selbst aus
  • Telefonnummer als klickbaren Link, Adresse als Text, Öffnungszeiten aktuell
  • Alle Seiten einmal auf dem Handy durchlesen, nicht am großen Bildschirm
  • Ladezeit messen, Zielwerte sind ein größter Inhaltsblock unter 2,5 Sekunden und ein Layout, das beim Laden nicht springt
  • Search Console und, wenn du sie nutzt, Statistik einrichten, bevor der erste Besucher kommt

Dann miss den Zustand: Ladezeit, Fehler in der Barrierefreiheit, Anfragen pro Monat. Nach 90 Tagen dieselbe Messung mit denselben Werkzeugen. Nur so weißt du hinterher, was die neue Seite gebracht hat, und nicht nur, dass sie dir besser gefällt.

Schritt 8: Die ersten 90 Tage

Eine neue Seite ist nicht am Tag des Livegangs fertig, sie ist am Tag des Livegangs erst startklar. Google braucht laut eigener Dokumentation von einigen Tagen bis zu einigen Wochen, bis eine neue Seite gecrawlt ist, und Indexierung ist noch kein Ranking.

Was in diesen 90 Tagen wirkt, in dieser Reihenfolge:

  1. Google-Unternehmensprofil anlegen und vollständig füllen. Für regionale Betriebe bringt es schneller Anfragen als die Website selbst. Google nennt als Faktoren Relevanz, Entfernung und Bekanntheit, und kaufen kann man die Position nicht.
  2. Die Leute anschreiben, die dich schon kennen. Zwanzig persönliche Nachrichten mit dem Link bringen mehr als der erste Monat Suchmaschinenarbeit.
  3. Die ersten Bewertungen holen, direkt nach einem erledigten Auftrag, mit einem fertigen Link. Ohne Gegenleistung, das verbietet Google ausdrücklich.
  4. Eine Seite je Leistung und Ort, wenn du regional arbeitest. Nicht fünfzig Ortsseiten, sondern drei bis sechs, die wirklich etwas Eigenes enthalten.
  5. Nachlegen, wo etwas passiert. Nach vier Wochen siehst du in der Search Console, mit welchen Suchbegriffen Leute dich finden. Jede dieser Anfragen ist ein Hinweis darauf, welche Seite als nächste fehlt.

Was das Ganze realistisch kostet

Ohne Beschönigung, für einen Ein-Personen-Betrieb mit drei bis fünf Seiten:

Posten Selbst gebaut Gebaut lassen
Erstellung 0 Euro, 30 bis 60 Stunden Eigenzeit ab 2.480 Euro
Domain und Hosting 10 bis 300 Euro im Jahr im Betreuungspreis enthalten
Rechtstexte 0 bis 300 Euro Umsetzung enthalten, Prüfung extern
CRM und Terminbuchung 0 Euro im Einstieg plus Einrichtungszeit ab 1.490 Euro einmalig
Pflege und Änderungen deine Zeit ab 89 Euro im Monat

Der wichtigste Posten steht in keiner Tabelle: die Aufträge, die in den Monaten ohne funktionierende Anfragestrecke nicht zu dir kommen. Bei einem durchschnittlichen Auftragswert von 2.000 Euro reichen zwei zusätzliche Aufträge im Jahr, damit eine Seite sich gerechnet hat.

Der kürzeste ehrliche Rat

Wenn du morgen startest und wenig Geld hast: Google-Unternehmensprofil anlegen, eine einzelne gute Seite mit klarem Angebot und einem kurzen Formular, eine automatische Bestätigung, und die Nummer sichtbar oben. Das ist besser als eine zehnseitige Website, die im vierten Monat noch nicht fertig ist.

Wenn du schon Anfragen hast und sie verlierst, ist die Reihenfolge umgekehrt: erst den Weg nach dem Formular reparieren, dann die Seite verschönern.

Wo du stehst, klären wir in einem Viertelstundengespräch. Ich sage dir auch, wenn die Antwort lautet: noch keine neue Website.

Quellen

Zahlen, Fristen und Rechtsstände in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen. Stand siehe Datum oben, bitte bei rechtlichen Fragen zusätzlich fachlich prüfen lassen.

Kurz und glatt beantwortet

  • Wenn Texte, Bilder und Logo vorliegen, sind zwei bis vier Wochen realistisch. Der Engpass ist fast nie die Technik, sondern der Inhalt. Fehlende Texte sind der häufigste Grund, warum aus drei Wochen drei Monate werden.

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