Selbstständig starten13. September 2026, 5 Minuten Lesezeit

Brauche ich als Kleinunternehmer überhaupt eine Website?

Google-Profil, Instagram, WhatsApp: für viele kleine Betriebe läuft das Geschäft ohne eigene Seite. Wann das reicht und wann es teuer wird.

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Die Antwort lautet nicht automatisch ja, auch wenn ich Websites baue. Es gibt Betriebe, bei denen eine Seite im ersten Jahr das falsche Investment ist. Und es gibt Betriebe, bei denen das Fehlen jeden Monat Geld kostet, ohne dass es jemand merkt.

Hier stehen beide Seiten, damit du selbst entscheiden kannst.

Was ohne Website tatsächlich funktioniert

Ein Google-Unternehmensprofil ist kostenlos, in einer Stunde angelegt und für regionale Betriebe der schnellste Weg zu Anfragen. Es zeigt dich in der Karte, sammelt Bewertungen, nimmt Anrufe auf und beantwortet die Frage, ob gerade geöffnet ist. Google nennt drei Faktoren für die lokale Sichtbarkeit: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Kaufen kann man die Position nicht, und mehr gute Bewertungen wirken sich positiv aus.

Dazu kommt: Bewertungen sind für viele Menschen die wichtigste Informationsquelle vor einer Kaufentscheidung. In einer repräsentativen Bitkom-Befragung nannten 55 Prozent der Online-Einkaufenden Kundenbewertungen als wichtigste Quelle, vor Preisvergleichsseiten mit 47 Prozent und Gesprächen mit Familie und Freunden mit 38 Prozent. Die Erhebung stammt aus dem Jahr 2020 und bezieht sich auf den Handel, die Richtung gilt für Dienstleistungen genauso.

Wenn du also Laufkundschaft hast, kleine Auftragswerte, einen festen Standort und dein Handwerk sich herumspricht, dann kannst du ohne Website Geld verdienen. Das ist keine Notlösung, das ist ein funktionierendes Modell.

Wo die Grenze verläuft

Ein Profil beantwortet drei Fragen: wo bist du, wann hast du auf, wie gut bist du. Es beantwortet die vierte nicht: wie arbeitest du, und passt das zu meinem Fall.

Die vierte Frage stellt jeder, dessen Entscheidung mehr kostet als ein Mittagessen. Sie ist der Grund, warum die Tochter, die einen Pflegedienst für ihre Mutter sucht, nicht das nächstgelegene Profil anruft, sondern erst liest. Und sie ist der Grund, warum ein Hausbesitzer vor einer Heizungserneuerung drei Seiten öffnet und die mit den echten Bildern anruft.

Die zweite Grenze ist der Kanal selbst. Instagram, Facebook und WhatsApp sind gemietete Flächen. Wenn ein Konto gesperrt wird, und das passiert ohne Vorwarnung und ohne Ansprechpartner, ist der Zugang zu deinen Kontakten weg. Das passiert selten, und wenn es passiert, trifft es den ganzen Betrieb auf einmal.

Die dritte Grenze ist die Nachfrage danach. Bitkom hat 2023 erhoben, dass 61 Prozent der Online-Einkaufenden sich mehr Online-Angebote von regionalen Anbietern wünschen, in ländlichen Regionen 53 Prozent. Der Wunsch ist da, er muss nur etwas finden.

Die drei Zeichen, dass es Zeit wird

Erstens: du beantwortest dieselbe Frage zum zwanzigsten Mal. Wenn du in Nachrichten immer wieder erklärst, wie der Ablauf ist, was es ungefähr kostet und ob du auch in den Nachbarort fährst, dann schreibst du gerade deine Website, nur eben einzeln und jedes Mal neu.

Zweitens: es wird nach Preisen gefragt, bevor jemand dein Angebot kennt. Das ist ein Zeichen, dass du austauschbar wirkst. Nicht weil du es bist, sondern weil nichts da ist, woran man den Unterschied sehen könnte.

Drittens: Anfragen versanden. Ein Anruf, den niemand annimmt, ist eine verlorene Anfrage. Eine Nachricht, die du abends um 22 Uhr siehst und morgen beantworten willst, oft auch. Eine Website mit Formular und automatischer Bestätigung ist in diesem Punkt keine Visitenkarte, sondern eine Maschine, die um 19 Uhr für dich antwortet.

Instagram oder Website, die nüchterne Gegenüberstellung

Frage Social-Media-Profil Eigene Website
Kosten 0 Euro, aber Zeit je Woche einmalig plus Betrieb
Aufwand dauerhaft hoch, Beiträge müssen laufend kommen gering, Seite arbeitet auch ohne dich
Wird gefunden, wenn jemand sucht nur eingeschränkt ja, über Google
Wird gefunden, wenn niemand sucht ja, über den Feed nein
Gehört dir nein ja
Beantwortet Detailfragen schlecht gut
Nimmt Anfragen strukturiert auf nein ja

Daraus folgt keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern eine Reihenfolge. Wenn dein Geschäft aus Impulsen entsteht, etwa Friseur, Kosmetik, Gastronomie oder Handgemachtes, dann ist Social Media der Kanal, der Nachfrage weckt, und die Website die Stelle, an der aus Interesse ein Termin wird. Wenn dein Geschäft aus Problemen entsteht, etwa Heizung, Pflege, Recht oder Steuer, dann sucht niemand im Feed nach dir. Dann kommt die Website zuerst.

Die ehrliche Zwischenlösung

Du musst nicht zwischen nichts und 5.000 Euro wählen. Die Stufe dazwischen sieht so aus:

  1. Google-Unternehmensprofil vollständig, mit echten Fotos, Leistungen und Öffnungszeiten. Die Bestätigung läuft je nach Verfahren über Telefon, E-Mail, Video oder Postkarte, letztere kommt üblicherweise innerhalb von zwei Wochen.
  2. Eine einzelne Seite unter deiner eigenen Domain: was du machst, für wen, wie der Ablauf ist, was es ungefähr kostet, wer du bist, und ein kurzes Formular.
  3. Eine automatische Bestätigung auf jede Anfrage, mit Terminvorschlag aus deinem Kalender.
  4. Die ersten fünf Bewertungen, direkt nach dem Auftrag erbeten, ohne Gegenleistung.

Das ist keine halbe Website, das ist eine vollständige erste Stufe. Bei mir ist das der Einstieg ab 2.480 Euro mit bis zu drei Seiten, und die Betreuung danach beginnt bei 89 Euro im Monat. Selbst gebaut kostet es dich ein Wochenende und ein paar Euro im Monat. Beides ist in Ordnung, nur nichts zu tun, solange du verpasste Anfragen bemerkst, ist teuer.

Was ich dir raten würde, je nach Lage

  • Du startest gerade, hast wenig Geld, arbeitest regional und mit kleinen Beträgen: Profil anlegen, Bewertungen sammeln, in sechs Monaten wieder entscheiden.
  • Du hast Anfragen, aber verlierst sie: Fang nicht bei der Gestaltung an, sondern bei der Antwortstrecke. Formular, Bestätigung, Erinnerung.
  • Du willst wachsen oder einstellen: Dann ist die Website nicht Werbung, sondern Infrastruktur. Sie erklärt dein Angebot, sammelt Bewerbungen und nimmt Anfragen auf, während du arbeitest.
  • Du arbeitest in einem Feld mit besonderen Regeln, etwa Heilberufe oder Pflege: Die Seite ist zugleich dein Ort für die Angaben, die Vertrauen schaffen und rechtlich sauber sein müssen. Dafür ist ein fremdes Profil der falsche Platz.

Wenn du unsicher bist, in welchem dieser Fälle du steckst, sag mir in einem Viertelstundengespräch, wie viele Anfragen du im Monat hast und wie sie zu dir kommen. Ich sage dir ehrlich, wenn eine Website gerade nicht dein größter Hebel ist.

Quellen

Zahlen, Fristen und Rechtsstände in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen. Stand siehe Datum oben, bitte bei rechtlichen Fragen zusätzlich fachlich prüfen lassen.

Kurz und glatt beantwortet

  • Für den Anfang oft ja, besonders bei Laufkundschaft und kleinen Auftragswerten. Das Profil beantwortet aber nur die Fragen Wo, Wann und Wie gut. Sobald jemand wissen will, wie du arbeitest, was es kostet und ob du seinen Fall schon gelöst hast, fehlt die Seite.

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