Selbstständig starten13. September 2026, 6 Minuten Lesezeit

Website selbst machen oder machen lassen: die Rechnung über drei Jahre

Baukasten, Freelancer oder Agentur: was die Varianten wirklich kosten, wenn Eigenzeit, Abos und Nacharbeit mitgerechnet werden.

Illustration zur Kategorie Selbstständig starten

Die Frage wird fast immer als Geldfrage gestellt und ist in Wahrheit eine Zeitfrage. Wer selbst baut, zahlt wenig Geld und viel Aufmerksamkeit. Wer bauen lässt, zahlt Geld und behält die Aufmerksamkeit für das, womit er sein Geld verdient.

Damit die Entscheidung nicht am Bauchgefühl hängt, hier die Rechnung über 36 Monate, ehrlich in beide Richtungen. Ich baue Websites, das ist mein Interesse, deshalb nenne ich auch die Fälle, in denen selbst bauen die richtige Antwort ist.

Die drei Varianten, ohne Werbesprache

Variante A, Baukasten selbst gebaut. Jimdo, Wix, IONOS, Squarespace und ähnliche. Du klickst eine Vorlage zusammen, schreibst deine Texte hinein und bist in einem Wochenende online. Das funktioniert technisch tatsächlich, und für eine reine Visitenkarte im Netz ist es keine schlechte Wahl.

Variante B, jemand baut auf einem fertigen System. Framer, WordPress mit Theme, Baukasten mit Dienstleister. Du bekommst Struktur und Gestaltung von außen, die Grenzen des Systems bleiben. Schnell, preislich im unteren vierstelligen Bereich, ordentlich.

Variante C, eigene Seite. Eigene Struktur, eigenes Design, ein CMS für die Pflege, Anfragen laufen ins CRM, Barrierefreiheit und Ladezeit sind Teil der Bauleistung. Dauert länger, kostet mehr, ist danach dein Eigentum.

Die Rechnung über drei Jahre

Annahme: fünf Seiten, ein Ein-Personen-Betrieb, regional tätig, mit Kontaktformular. Deine Eigenzeit habe ich mit 50 Euro angesetzt, das ist konservativ, wenn du handwerklich oder beratend arbeitest.

Posten A, selbst gebaut B, aufgesetzt C, eigene Seite
Einmalig 0 Euro 1.500 bis 3.000 Euro ab 2.480 Euro
Abo oder Betreuung, 36 Monate 900 bis 1.800 Euro 1.000 bis 3.000 Euro ab 3.204 Euro (89 Euro im Monat)
Eigenzeit Aufbau 30 bis 60 Stunden, entspricht 1.500 bis 3.000 Euro 5 bis 10 Stunden 5 bis 10 Stunden
Eigenzeit Pflege, 36 Monate 20 bis 40 Stunden 5 bis 15 Stunden im Preis, 30 Minuten bis 3 Stunden monatlich je Stufe
Rechtstexte 0 bis 300 Euro meist enthalten enthalten, Prüfung extern
Summe Geld 900 bis 2.100 Euro 2.500 bis 6.000 Euro ab 5.700 Euro
Summe Geld plus Eigenzeit 2.400 bis 5.100 Euro 3.000 bis 7.000 Euro ab 6.000 Euro

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: sobald du deine eigene Zeit mitrechnest, ist der Abstand viel kleiner, als die Werbung der Baukästen suggeriert. Zweitens: er ist immer noch da. Wer wenig Geld und viel Zeit hat, fährt mit Variante A günstiger, und das bleibt richtig.

Die Zahlen sind Marktspannen aus öffentlichen Quellen und meine eigenen Preise, keine Statistik. Prüf die Abopreise deines Anbieters selbst, sie ändern sich häufiger als Blogartikel.

Was die Tabelle nicht zeigt

Drei Posten stehen in keiner Rechnung und entscheiden trotzdem oft mehr als die Summe.

Der Weg nach dem Formular. Kein Baukasten erklärt dir, was mit der Anfrage passiert, nachdem sie abgeschickt ist. Das Formular schickt eine Mail, fertig. Wenn du auf dem Dach stehst, liest du sie abends, und der Interessent hat zwei andere Betriebe angeschrieben. Die Anfrage aufzufangen, sofort zu bestätigen und automatisch zu erinnern, ist Arbeit, die nichts mit Gestaltung zu tun hat und den Unterschied zwischen Seite und Auftrag macht.

Nacharbeit an Pflichten. Impressum, Datenschutzerklärung, Einwilligung für nicht notwendige Werkzeuge, Barrierefreiheit. Beim Barrierefreiheitsstärkungsgesetz liegt der Bußgeldrahmen je Verstoß bei bis zu 10.000 Euro, in bestimmten Fällen bei bis zu 100.000 Euro. Für Dienstleistungen gibt es eine Ausnahme für Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und maximal zwei Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme. Wer wächst, verliert sie, und dann ist Nachrüsten teurer als Mitbauen.

Der Ausstieg. Frag bei jeder Variante, was du mitnimmst, wenn du gehst. Inhalte, Bilder, Kundendaten, Domain. Bei Variante C sollte die Antwort lauten: alles, inklusive Quellcode oder CMS-Export. Wenn die Antwort unklar bleibt, ist der günstige Preis eine Miete.

Entscheide mit diesen sieben Fragen

Beantworte sie mit ja oder nein. Jedes Ja spricht dafür, bauen zu lassen.

  1. Ist ein einzelner Auftrag bei dir mehr als 1.000 Euro wert?
  2. Kommen Anfragen bei dir überwiegend abends, am Wochenende oder während du arbeitest?
  3. Hast du vor, in den nächsten zwei Jahren Mitarbeiter einzustellen oder eine zweite Leistung aufzubauen?
  4. Arbeitest du in einem Feld mit rechtlichen Sonderregeln, etwa Heilberufe, Pflege oder Finanzberatung?
  5. Wäre eine Seite, die auf dem Handy langsam lädt, für dein Geschäft ein echtes Problem?
  6. Hast du in den nächsten vier Wochen weniger als 30 Stunden Zeit, die du wirklich frei einsetzen kannst?
  7. Willst du dich im Zweifel darauf verlassen, dass jemand haftet, der es gebaut hat?

Fünf oder mehr Ja: bauen lassen. Zwei oder weniger: bau erst einmal selbst, und zwar klein. Dazwischen: Variante B, mit der Möglichkeit, später auszubauen.

Wann selbst bauen die klügere Entscheidung ist

Ich sage das ungern, weil ich davon lebe, aber es gibt klare Fälle:

  • Du testest ein Geschäftsmodell und weißt in sechs Monaten mehr. Dann wäre eine gebaute Seite eine Wette auf ein Angebot, das du noch änderst.
  • Dein Auftragswert liegt niedrig und deine Kunden kommen über Laufkundschaft oder Empfehlung. Dann ist das Google-Unternehmensprofil wichtiger als jede Website.
  • Du hast Freude daran und Zeit. Wer gerne bastelt, lernt dabei etwas über sein eigenes Angebot, das ihm später keiner abnehmen kann.
  • Dein Budget ist wirklich bei null. Dann ist eine selbst gebaute Seite besser als keine Seite, und das ist keine Notlösung, sondern ein legitimer Start.

Nur ein Fehler passiert in diesen Fällen häufig: die Seite wird gebaut, aber die Anfragestrecke nicht. Wenn du selbst baust, investier die letzten zwei Stunden in die Bestätigungsmail und den Terminlink, nicht in die Auswahl des dritten Schriftschnitts.

Wann bauen lassen sich rechnet, in einer Zahl

Nimm deinen durchschnittlichen Auftragswert und deinen Rohertrag daraus. Dann rechne, wie viele zusätzliche Aufträge du brauchst, um die Differenz zwischen Variante A und C zu deckeln, hier grob 3.000 Euro über drei Jahre.

Auftragswert Rohertrag etwa 40 Prozent zusätzliche Aufträge in drei Jahren
500 Euro 200 Euro 15
2.000 Euro 800 Euro 4
5.000 Euro 2.000 Euro 2
12.000 Euro 4.800 Euro 1

Bei 5.000 Euro Auftragswert entscheidet ein einziger Auftrag im Jahr über die ganze Rechnung. Dann ist die Frage nicht, ob du 2.480 Euro ausgeben willst, sondern ob du dir zutraust, mit einer selbst gebauten Seite genauso viele Anfragen zu bekommen. Bei 500 Euro Auftragswert ist die Antwort umgekehrt, und dann ist selbst bauen kein Kompromiss, sondern richtig.

Was ich anders mache als ein Baukasten

Damit du weißt, wofür der Unterschied bezahlt wird, ohne Marketing:

  • Festpreis auf einem Blatt, bevor ich anfange. Zwei Korrekturschleifen enthalten, die dritte kostet 140 Euro je Stunde, und das steht vorher im Angebot
  • Fertig in zwei bis vier Wochen, mit Einweisung, danach pflegst du Texte selbst
  • Barrierefrei nach WCAG 2.1 AA, geprüft mit axe-core, nicht als Zusatzoption
  • Anfragen landen im CRM mit Quelle und Zeitstempel, Bestätigung und Terminvorschlag laufen automatisch
  • Messung am Tag 0 und am Tag 90 mit denselben Werkzeugen, und wenn eine Kennzahl sich nicht verbessert hat, steht sie auch im Bericht

Wenn du unsicher bist, welche Variante zu deinem Betrieb passt: beschreib mir in einem Viertelstundengespräch, wie viele Anfragen du im Monat hast und was ein Auftrag wert ist. Danach weißt du es, auch wenn die Antwort lautet, dass du dein Geld gerade noch nicht in eine Website stecken solltest.

Quellen

Zahlen, Fristen und Rechtsstände in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen. Stand siehe Datum oben, bitte bei rechtlichen Fragen zusätzlich fachlich prüfen lassen.

Kurz und glatt beantwortet

  • Rechne das Abo mal 36 Monate, dazu die Zusatzpakete, die du für Formular, Statistik oder eigene E-Mail brauchst, und deine Eigenzeit. Bei 25 Euro im Monat plus zwei Zusatzpaketen liegst du nach drei Jahren häufig im vierstelligen Bereich, ohne dass eine einzige Stunde deiner Arbeit eingerechnet ist.

Frage zwischendurch

Deine Frage steht noch nicht hier?

Stell sie mir im Erstgespräch. In 15 Minuten bekommst du die Antwort direkt, nicht erst, wenn der Artikel fertig ist.

Weiterlesen

Alle Artikel
Alle Ratgeber-Artikel